Musikplayer mit Raspberry Pi, Hifiberry und Volumio

Mein Lieblingssender FluxFM sendet ab 2016 nicht mehr auf UKW in Stuttgart. Deshalb muss eine Ersatzmöglichkeit gefunden werden, um den Sender trotzdem hören zu können. Die einfachste Möglichkeit wäre ein Web-Radio zu kaufen. Da geht aber der ganze Bastelspaß verloren. Also muss ein Raspberry Pi als Musikplayer herhalten.

Musikplayer mit Raspberry Pi: erste Überlegungen

Als Basis soll ein Raspberry Pi 2 Model B dienen. Da dessen Audio-Ausgabe mäßig bis bescheiden ist, kommt noch eine Soundkarte in Form eines HiFiBerry DAC+ zum Einsatz. Diesen gibt es mit Cinch- und mit Klinkenausgang. Ich habe mich für Letzteren entschieden, weil dann alles in ein Standardgehäuse passt. Als Gehäuse wird eins aus Alu verwendet.

Aufbau Hardware

Musikplayer mit Raspberry Pi: Raspberry Pi
Raspberry Pi

Als Erstes fällt auf, wie klein der Raspberry Pi ist. Aber er hat alles dabei, was man braucht (HDMI, USB, LAN usw.).

Musikplayer mit Raspberry Pi: im Alu Gehäuse eingebaut
im Alu Gehäuse eingebaut

In das kleine Alu-Gehäuse passt der Raspberry Pi gut rein. Es ist ja auch extra dafür gemacht. Die Abstandshalter für den HiFiBerry sollte man vor dem Einbau schon montieren.

Musikplayer mit Raspberry Pi: HiFiBerry
Musikplayer: HiFiBerry

Anschließend kann der HiFiBerry aufgesteckt und festgeschraubt werden. Das Befestigungsmaterial ist beim HiFiBerry dabei.

Musikplayer mit Raspberry Pi: Audioausgang HiFiBerry
Musikplayer: Audioausgang HiFiBerry

Hier sieht man schön, dass die Klinkenbuchse nicht aufträgt. Der Deckel passt also noch gut drauf. Bei der Version mit den Cinchbuchsen ragen diese nach oben raus. Man braucht also ein höheres Gehäuse. Es gibt spezielle für diesen HiFiBerry zu kaufen, aber leider nicht aus Alu.

Musikplayer mit Raspberry Pi: Audioausgang HiFiBerry
Musikplayer: Audioausgang HiFiBerry

In das Gehäuse muss noch ein Loch gebohrt werden. Meins ist leider ein bisschen zu groß geworden. Auf dieser Seite sieht man die Anschlüsse für Audio, Video, Stromversorgung und microSD-Karte.

Musikplayer mit Raspberry Pi: USB und LAN
Musikplayer: USB und LAN

Auf der anderen Seite sind die vier USB-Ports und der LAN-Anschluss. In einen USB-Port habe ich einen USB-Stick mit Musik gesteckt.

Installation Software

Als Software habe ich Volumio in der Version 1.55 (Änderungen Version 2 siehe unten) gewählt. Damit kann man Musik vom USB-Stick und von einem Netzlaufwerk abspielen. Außerdem kann man Web-Radio empfangen und Spotify nutzen. Airplay und DLNA werden auch unterstützt. Volumio deckt also alle meine Anwendungsfälle ab.

Bei Get Started – Volumio findet man alles was man braucht. Zuerst lädt man sich das aktuelle Image herunter. Dies wird dann mit Win32DiskImager (gibt es auch dort) auf eine microSD-Karte geschrieben. Die Karte kommt jetzt in den Raspberry Pi. Anschließend wird das Netzwerkkabel und der Strom angeschlossen. Der Raspberry Pi startet jetzt von der microSD-Karte und bezieht sich eine Netzwerkadresse. Im Browser kann man jetzt einfach volumio.local eingeben. Hier sollte die Volumio-Oberfläche erscheinen. Wenn das nicht geht, wird die Namensauflösung per Bonjour nicht unterstützt. Da muss man sich die IP-Adresse irgendwie anders besorgen. Am einfachsten geht das über das Logfile des Routers. Wenn das nicht geht, muss man sich ein Tool besorgen, was mit Bonjour umgehen kann.

Musikplayer mit Raspberry Pi: statische IP Adresse
statische IP Adresse

Ich habe bei mir dann eine statische IP-Adresse vergeben. Das geht einfach über die Web-Oberfläche. Es hat den Vorteil, dass der Player immer über die gleiche Adresse ansprechbar ist.

Musikplayer mit Raspberry Pi: Konfiguration HiFiBerry DAC+
Konfiguration HiFiBerry DAC+

In den Einstellungen sollte noch kontrolliert werden, ob der HiFiBerry DAC+ als Ausgabe eingestellt ist.

Web-Radiostationen kann man manuell hinzufügen. Dazu muss man sich die entsprechenden .pls oder .m3u Dateien herunterladen. Eine gute Anlaufstelle dafür ist vTuner. Diese Dateien werden auf den Raspberry Pi kopiert. Im Windows-Explorer wird unter Netzwerk Volumio angezeigt. Hierunter gibt es ein paar Ordner. Einer davon ist WebRadio. Hier kommen die heruntergeladenen Dateien rein. Wenn man gerade dabei ist, kann man das Verzeichnis gleich ausmisten. Anschließend ist ein Update der Library fällig. Das geht über die Web-Oberfläche.

Musikplayer mit Raspberry Pi: Web-Radio
Web-Radio

Wenn alles geklappt hat, kann man die Radiostation unter „Browse“ auswählen. Bei „Playback“ sieht man dann einige Informationen, wie z.B. Künstler und Titel.

Musikplayer mit Raspberry Pi: Playlist
Playlist

Mit „Browse“ kann man sich auch eine Playlist aus verschiedenen Titeln zusammenstellen. Diese müssen sich natürlich auf dem angeschlossenen USB-Stick befinden.

Musikplayer mit Raspberry Pi: Musik vom USB-Stick
Musik vom USB-Stick

Bei „Playback“ kann man dann zwischen den Titeln der Playlist hin und her springen. Außerdem kann man die Liste auch zufällig wiedergeben oder automatisch wiederholen lassen.

MPDroid

Für den Anfang reicht die Web-Oberfläche von Volumio aus. Aber irgendwann wünscht man sich doch etwas mehr Komfort.

Volumio verwendet MPD, den Music Player Daemon. Dies ist ein Programm um Musik verschiedener Formate abzuspielen. Eine Oberfläche zum Bedienen ist da nicht dabei. Aber es gibt eine Schnittstelle, über die die Bedienung gemacht werden kann. Diese Schnittstelle ist auch über das Netzwerk erreichbar. Und hier kommt MPDroid ins Spiel. Diese App läuft auf einem Android Smartphone oder Tablet und steuert den MPD auf dem Raspberry Pi.

Nach dem Start wird man nach der Verbindung gefragt. Hier gibt man die IP-Adresse des Raspberry Pi ein. Auch hier kann man durch seine Musik-Bibliothek blättern. Die Albumcover werden automatisch aus dem Internet heruntergeladen. Beim Abspielen werden sie auch angezeigt. Leider passen sie manchmal nicht oder werden gar nicht angezeigt. Damit die eigenen Cover angezeigt werden, ist noch etwas Handarbeit nötig.

Mit einem Terminalprogramm verbindet sich man per ssh mit dem Raspberry Pi. Benutzername ist „pi“ und das Passwort lautet „raspberry“. Hier gibt man dann den Befehl „sudo ln -s /var/lib/mpd/music /var/www/covers“ ein. Dies erzeugt einen symbolischen Link vom Musik-Ordner des Raspberry Pi zu dessen Webserver. Dieses Verzeichnis kann MPDroid verwenden um die Albumcover anzuzeigen.

In den Ordnern der Alben muss das Albumcover als Bild vorliegen (normalerweise heißt es folder.jpg). Wenn es dort nicht ist, kann es aus der mp3 exportiert werden. Wie das geht, ist hier beschrieben.

Musikplayer mit Raspberry Pi: Einstellungen MPDroid
Einstellungen MPDroid
Musikplayer mit Raspberry Pi: Albencovereinstellungen MPDroid
Albencovereinstellungen MPDroid

In MPDroid muss man jetzt die Albencovereinstellungen ändern. Bei „Lokale Albencover laden“ muss ein Häkchen rein. Als Musikverzeichnis trägt man „covers“ ein. Die Albencover-Datei ist „folder.jpg“.

Musikplayer mit Raspberry Pi: lokale Albencover
lokale Albencover

Wenn alles geklappt hat, werden die lokalen Albencover geladen.

Fazit

Dieser kleine Musikplayer mit Raspberry Pi und Volumio macht echt Spaß. Man kann so gut wie alle Formate aus beliebigen Quellen abspielen. Er ist sehr flexibel. Für so gut wie jedes Problem gibt es, dank einer großen Community bei Volumio.org, eine Lösung. Durch den HiFiBerry ist die Audio-Ausgabe hervorragend. Ich möchte das kleine Kerlchen nicht mehr missen. Mit ihm ist es möglich auch alte Audio-Hardware mit der modernen neuen digitalen Welt zu verbinden. An meinem Marantz 4300 macht er sich prima.

Neulich habe ich einen schönen Artikel mit Raspberry Pi und runeaudio gefunden. Dort wird die Software-Installation ausführlich und leicht verständlich beschrieben.

Update Volumio 2

Seit neuestem ist Volumio 2 erschienen. Hier hat sich der Webserver geändert. Damit die Anzeige der Coverart funktioniert, reicht es aus, wenn man als Musikverzeichnis „cover-art“ einträgt. Der symbolische Link wird nicht mehr benötigt. Das bringt Volumio 2 schon mit.

Bei der Version 1.55 konnte man per Windows-Explorer auf den USB-Stick zugreifen. Hierzu hat man einfach die IP-Adresse mit vorangestellten \\ in die Titelzeile des Windows-Explorers (nicht Internet-Explorers) eingetragen. Anschließend konnte die Musik bequem per Drag and Drop auf die Freigabe des USB-Sticks kopiert werden. Wenn man das bei der Version 2 probiert, sieht man nur eine Freigabe mit dem Namen „Internal Storrage“. Hierfür ist beim Raspberry Pi das Programm Samba verantwortlich. Damit der USB Stick sichtbar wird, muss Samba umkonfiguriert werden. Die Konfigurationsdatei hierfür heißt /etc/samba/smb.conf. Um sie zu bearbeiten gibt man „sudo nano /etc/samba/smb.conf“ im Terminalprogramm ein. Die Datei erweitert man am Ende um folgende Zeilen:

[USB Storage]
 comment = Volumio USB
 path = /mnt/USB
 read only = no
 guest ok = yes

Die Datei wird gespeichert und der Raspberry Pi wird neu gestartet. Jetzt sieht man im Windows-Explorer die neue Freigabe „USB Storage“.

5 Gedanken zu „Musikplayer mit Raspberry Pi, Hifiberry und Volumio“

  1. Mann. Das ist ein tolles Gerät. Leider bin ich nicht so ein Bastel-König. Da muss ich mir wohl ein Internetradio kaufen…

  2. Vielen Dank für diesen Erfahrungsbericht, der mich überzeugt hat, mir auch so ein System zu bauen. Einzig das Image ließ sich bei mir nicht mit dem von Volumio empfohlenen Tool erzeugen. Ich bin daher zu einem Linux-Werkzeug übergegangen (Etcher), das den Job ohne Probleme erledigte.

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