Restauration eines HH Scott R75S Receivers

Den HH Scott R75S Receiver habe ich vom Sperrmüll gerettet. Er war äußerlich in einem guten Zustand. Das Gehäuse war mit einer Folie beklebt, die schon an vielen Stellen eingerissen war. Außerdem gibt es einigen Dreck zu beseitigen.

Der Receiver arbeitet mit 230V Wechselstrom. Dies ist lebensgefährlich! Arbeiten dürfen nur im spannungslosen Zustand durchgeführt werden.

Das ServiceManual gibt’s hier.

Scott R75S: Bestandsaufnahme 

HH Scott R75S: Receiver im Ursprungszustand
Receiver im Ursprungszustand
HH Scott R75S: Receiver im Ursprungszustand
Receiver im Ursprungszustand
HH Scott R75S: Receiver im Ursprungszustand
Receiver im Ursprungszustand

Der Vorbesitzer hat ihn mit einer „wunderschönen“ braunen Folie beklebt. Außerdem klebt an der Frontplatte etwas. Einige Lämpchen leuchten nicht mehr. Aber der Rest scheint zu funktionieren.

HH Scott R75S: Kleberreste
Kleberreste
HH Scott R75S: Kleberreste
Kleberreste

Wie erwartet ging die Klebefolie nicht richtig ab. Es blieben nach dem Abziehen einige Kleberreste zurück. Das gleiche passierte auch bei dem Teil an der Frontplatte. Die Seitenteile sind teilweise schwarz angemalt.

Wartung und Reinigung

HH Scott R75S: Gehäuseteile sind entfernt
Gehäuseteile sind entfernt
HH Scott R75S: Gehäuseteile sind entfernt
Gehäuseteile sind entfernt

Nachdem alle Gehäuseteile abgebaut wurden, konnte ich mir das Chassis mal genauer ansehen. Dieses ist komplett aus Aluminium und nicht wie so oft aus Stahlblech gefertigt. Ich habe gleich noch den Ruhestrom (BIAS) laut Service Manual eingestellt. Der Abgleich des DC-Offsets ist nicht möglich.

HH Scott R75S: Innenansicht von oben
Innenansicht von oben
HH Scott R75S: Innenansicht von unten
Innenansicht von unten
HH Scott R75S: Endstufentransistoren
Endstufentransistoren

Die Platinen auf der Oberseite sind alle über Steckerleisten verbunden. Diese Leisten sind am Chassis verschraubt. Das ist sehr wartungsfreundlich. Den Kleber von der Frontplatte habe ich vorsichtig mit Nagellackentferner entfernt. Hierbei sollte man vorsichtig sein, da man dabei auch hervorragend die Beschriftung der Frontplatte entfernen kann. Die Frontplatte, die Bodenplatte, die Knöpfe und diverse Gehäuseteile habe ich diesmal in einer Waschmittellauge (Wasser und Waschmittelpulver) eingelegt. Nach einer Stunde Einwirkzeit kann man den Dreck einfach abwischen.

HH Scott R75S: Antennenbuchse fehlt
Antennenbuchse fehlt
HH Scott R75S: neue Antennenbuchse
neue Antennenbuchse

Die Antennenbuchse fehlte. Da habe ich einfach eine neue von Conrad eingebaut.

HH Scott R75S: alte Lampe
alte Lampe
HH Scott R75S: neue Lampen mit Tüllen
neue Lampen mit Tüllen

Einige Lampen zur Anzeige der Quelle waren defekt. Diese steckten in einer Gummitülle, die im Laufe der Zeit porös geworden ist. Neue Tüllen habe ich bei RS Components bestellt. Diese haben einen Innendurchmesser von 5,6mm und passen in ein Montage-Loch mit 7,9 mm Durchmesser. Als Ersattzlampen kamen BI-Pin Lampen 28V, 24mA zum Einsatz. Diese gibt es ebenfalls bei RS Components.

HH Scott R75S: neue Tülle
neue Tülle
HH Scott R75S: FM IF Verstärker wurde entfernt
FM IF Verstärker wurde entfernt
HH Scott R75S: neue Lampe
neue Lampe

Die Tüllen werden einfach in die Bohrung eingesetzt. Um mehr Platz zu haben, habe ich die Platine des FM IF Verstärkers ausgebaut. Diese ist gesteckt, es muss nichts abgelötet werden. Die neuen Lampen werden an die vorhandenen Kabel der defekten Lampen angelötet. Da sie etwas kleiner sind als das Loch in der Tülle, müssen sie mit Schrumpfschlauch aufgefüttert werden. Mir ist aufgefallen, dass die neuen Lampen etwas dunkler sind als die alten, die 40mA Version wäre wohl die besser Wahl gewesen.

HH Scott R75S: Frequenzanzeige
Frequenzanzeige

Die Frequenzanzeige war etwas verschoben. Dies wird korrigiert, indem der Zeiger so verschoben wird, dass er bei Linksanschlag auf Null steht.

HH Scott R75S: Löser
Löser
HH Scott R75S: Nitro-Verdünnung
Nitro-Verdünnung
HH Scott R75S: geölte Holzseite
geölte Holzseite

Für die Holzseiten und den Deckel mussten stärkere Sachen herhalten. Als Erstes wurden alle Teile dick mit „Löser“ eingepinselt. Dieses Zeug ist ein Gel, welches über eine längere Zeit auf dem zu behandelnden Teil bleibt ohne zu verdunsten. Nach ca. einer halben Stunde kann dann der angelöste Kleber abgespachtelt werden. Zurück bleibt dann eine leicht klebrige Oberfläche. Dieser Restkleber wird dann mit Nitro-Verdünnung entfernt. Bei dieser Prozedur ist auch die schwarze Farbe mit abgegangen. Die Seitenteile werden zum Auslüften an die frische Luft gelegt. Der Deckel wird abschließend mit der Waschmittellauge behandelt. Da die Behandlung mit Löser/Nitro-Verdünnung jegliches Öl von der Oberfläche entfernt hat, ist der schöne Glanz verschwunden. Dies wird also mit neuem Öl wieder aufgefrischt.

Fazit

HH Scott R75S: fertig
fertig
HH Scott R75S: fertig
fertig
HH Scott R75S: fertig
fertig

Jetzt glänzt wieder alles. Die Nikotinablagerungen, d.h. der leichte Gelbstich des Aluminiums ist verschwunden. Der HH Scott R75S ist ein wirklich schöner Receiver. Das schlichte Design hat es mir sehr angetan. Außerdem ist er ziemlich kräftig und auch sehr selten.

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